Der obere Verschluss des Magens hin zu Speiseröhre kann durch regelmäßige Heißhungeranfälle mit anschließendem Erbrechen beeinträchtigt werden (Kardiainsuffizienz). Die so genannte Refluxkrankheit mit Sodbrennen und Entzündungen der Speiseröhre (Ösophagitis) aufgrund der zurückfließenden Magensäure sind eine mögliche Folge. Bei chronischem Stress und vermehrter Bildung von Magensäure kann es zu einem Geschwür (Ulcus) kommen. In sehr seltenen Fällen kann ein solches Geschwür zu Blutungen oder Wanddurchbrüchen, und damit zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen.
Unklar ist bislang, weshalb häufig die Speicheldrüsen von Patientinnen mit Essstörungen (besonders bei Bulimie) vergrößert sind (Sialose oder Sialadenose). Diese Schwellungen der Speicheldrüsen im Bereich der Wange oder des Unterkiefers sind meist nicht schmerzhaft, können das Aussehen jedoch sehr verändern ("Hamsterbacken"). Das von diesen Drüsen produzierte Verdauungsenzym (Amylase) im Speichel ist erhöht. Die Gesamtmenge des Speichels ist häufig verringert. Da beim Erbrechen die Zähne immer wieder mit Magensäure in Kontakt kommen, wird die Entstehung von Karies sehr begünstigt. Bei zusätzlichem Calciummangel können auch weitergehende Zahnschäden auftreten.
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Psychische Folgen
Die Gewichtsabnahme hat auch tiefgreifende psychische Folgen. Veränderungen des Eiweißstoffwechsels (Aminosäuren, Bausteine der Proteine oder Eiweiße) können bei kohlenhydratarmer Diät möglicherweise die Übertragung zwischen den Nervenzellen im Gehirn verändern (durch Serotonin-Mangel) und somit die Stimmung verändern. Mit zunehmender Depression verlieren Patientinnen immer mehr Lebensfreude und Interesse an der Umwelt. Gleichzeitig nimmt die Konzentrationsfähigkeit ebenso wie die allgemeine Leistungsfähigkeit und auch das Interesse an der Sexualität ab.
Patientinnen und Therapeuten sollten diese genannten medizinischen Komplikationen und Folgeschäden der Magersucht und Bulimie kennen. Sie müssen im Rahmen einer Therapie ausreichend berücksichtigt werden, um langjährige Gesundheitsschäden und im Extremfall sogar Todesfälle zu verhindern. Die Behandlung der körperlichen Symptome ersetzt keine Psychotherapie. Aber auch umgekehrt gilt: die Vernachlässigung der medizinischen Gesichtspunkte kann den Erfolg einer Psychotherapie unnötig verzögern oder auch verhindern.
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