Menschen mit Essstörungen haben häufig auch Probleme mit dem Trinken. Durch das krankhafte Essverhalten geht auch das Gefühl für Durst verloren. Das Problem ist: Trinken ist lebensnotwendig und ohne Wasser kann man nur wenige Tage überleben. Fehlt es an Flüssigkeit, trocknet der Körper aus, das Blut verdickt sich, kann weniger Sauerstoff transportieren und wird nicht ausreichend gereinigt. Stoffwechsel- und Nierenprobleme treten auf.
Nicht nur das natürliche Verhältnis zum Essen, sondern auch parallel dazu oft das Bedürfnis oder der Drang zu trinken geht verloren. Meist sind sich Essgestörte dessen nicht einmal bewusst. Nicht selten beklagen Menschen mit Essstörungen Schwierigkeiten mit dem Wasserhaushalt, die sich auch in Wassereinlagerungen, Schwellungen und Ödemen äußern. Wenn man daraufhin das Trinkverhalten analysiert, ist dies meist kopfgesteuert und deutlich gestört.
Woran liegt das?
Magersüchtige und Bulimiker haben nicht nur Probleme Hunger als solchen wahrzunehmen und angemessen auf ihn zu reagieren, sie haben außerdem gelernt, körperliche Empfindungen zu ignorieren und sich das Gespür für ihre natürlichen, essentiellen Bedürfnisse regelrecht abtrainiert. Sie verdrängen aufsteigende Hungergefühle, und sie verlieren die Fähigkeit, Durst zu spüren. Viele messen sich Tagesrationen ab und trinken vorwiegend aus Gründen der Vernunft, weil der Mensch nun mal täglich 1,5 bis 2,5 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen sollte.
Um aber Kalorien zu sparen bevorzugen sie häufig süßstoffhaltige Limonaden, ohne zu bedenken, dass der Körper durch den süßen Geschmack nun Zucker erwartet, deshalb Insulin ausschüttet und dadurch die gefürchtete Lust auf Süßes provoziert wird. Besonders nach Ess-Brech-Anfällen wäre viel Trinken wichtig, um die Wasser- und Mineralstoffverluste wieder auszugleichen. Das gestörte Trinkverhalten erscheint noch bedenklicher, wenn man weiß, dass Essgestörte nicht selten große Mengen Abführmittel schlucken, um ihr Gewicht bzw. ihre Kalorienbilanz zu manipulieren. Durch Abführmittelmissbrauch, ähnlich wie durch das künstlich hervorgerufene Erbrechen, werden große Mengen Flüssigkeit ausgeschieden, was Verluste von lebensnotwendigen Salzen (Elektrolyten) zur Folge hat. So kann Kaliummangel u.a. Lähmungserscheinungen an Herz, Darm, Muskulatur und Zentralnervensystem verursachen.
Entwässerung wirkt sich negativ auf Stoffwechsel und den Flüssigkeitshaushalt aus. Aufgrund der großen Schädigung und der verschiedenen Stoffwechselstörungen, zu denen auch Verdauungsstörungen gehören - denn wer wenig bis gar nichts trinkt, leidet unter Verstopfung - kommt es zu schmerzhaften Blähungen, zu Magen- und Darmdruck und man fühlt sich unnötig aufgebläht und vollgestopft, was Betroffene noch tiefer in die Verzweiflung oder zum nicht seltenen Griff zu Abführmitteln treibt, die noch mehr entwässern und somit das Problem verschärfen anstatt zu lösen.
Was sollte man tun?
Um das Wohlbefinden und Wohlfühlen im eigenen Körper zu steigern ist es nicht nur ratsam, sondern zwingend notwendig ausreichend zu trinken. Wer wenig trinkt und sich ausgetrocknet fühlt, ist schnell gereizt, depressiv verstimmt und hat große Kreislaufprobleme und Kopfschmerzen, die sich nur über Flüssigkeitsaufnahme beheben lassen. Gerade nach Ess-Brechanfällen fällt es Bulimikern oftmals schwer, ausreichend zu trinken, auch wenn die meisten wissen, dass sie sehr viel Flüssigkeit verloren haben. Die "Katerstimmung" wird umso schlimmer, wenn man nicht trinkt.
Auch wenn es schwer fällt und ekelt, sollte man nach dem Erbrechen den Flüssigkeitshaushalt ausgleichen, um zu verhindern, dass man sich noch schlechter fühlt als man es ohnehin schon tut, und auch um zu verhindern, dass der Kreislauf wegsackt. Zu wenig Flüssigkeitsaufnahme führt zu Konzentrationsstörungen, kann bis hin zu Bewusstseinsstörungen gehen und belastet die Psyche sowie den Körper.
Je labiler und lädierter der Körper ist, desto weniger Toleranz hat die Psyche, um mit Erinnerungen, negativen Gefühlen und ganz allgemeinen Alltagsproblemen umzugehen. Dadurch wirken die Alltagsprobleme wie z.B. eine unfreundliche Kassiererin schier unüberwindbar und verfolgen einen länger als nötig. Wer nicht trinkt, keinen Durst verspürt, Panik davor hat, etwas im Magen zu spüren und deshalb das natürliche und normale Durstgefühl ignoriert, hat wenig Kraft, um sich den normalen Alltagsanforderungen und seinen Problemen zu stellen und sie zu meistern. Die Folge des Flüssigkkeitsmangels ist ein lethargischer Zustand, in dem man sich ausgeliefert und hilflos fühlt, in dem man verharrt, weil man sich nicht mehr in der Lage sieht, sich zu bewegen.
Genau diese Lähmung bzw. Blockade gilt es zu überwinden. Der Weg in die Küche ist bekannt und es sollte möglich sein, sich etwas zu trinken zu holen, um damit das eigene Wohlbefinden, als auch den allgemeinen körperlichen Zustand zu verbessern.
| < Zurück | Weiter > |
|---|







Kommentare
Auch Kaffee entwässert, was sich negativ auf Stoffwechsel und den Flüssigkeitshau shalt auswirkt.
Das ist falsch, längst widerlegt. Kaffee zählt in vollem Umfang zur Trinkmenge hinzu.
Gruß
I. Hiller
Das wird zum einen getan um den Hunger zu reduzieren zum anderen weil gekühlte Getränke Kalorien verbrauchen (der Körper verraucht Energie beim Erwärmen der Flüßigkeit)
Da scheint es zwei Tendenzen zu geben. Das sollte mE erwähnt werden.
Alle Kommentare dieses Beitrages als RSS-Feed.