Dir einzugestehen und zu akzeptieren, dass du eine Essstörung hast, gehört zu einem der schwersten Dinge. Das Zweitschwerste ist, die Hand auszustrecken und um Hilfe zu fragen. Viele von uns denken, dass, da es sich um unser Problem handelt, wir allein damit fertig werden müssen.
Menschen mit Essstörungen sind sehr unabhängig und nicht daran gewöhnt, ihre Gefühle mit jemandem zu teilen, schon gar nicht mit einem Therapeuten. Es kann sein, dass wir uns zu beschämt oder verlegen fühlen, um jemandem zu offenbaren, was wir tun. Bitte sei dir bewusst, dass es keine Schande ist, eine Essstörung zu haben.
Dieses Problem ist zu gross, als dass man es allein lösen könnte, hier bedarf es der Hilfe qualifizierter Menschen. Es gibt Hilfe! Du musst nicht für immer ein Gefangener deiner Essstörung bleiben. Es ist nicht nur okay, um Hilfe zu bitten, es ist notwendig. Dein Kampf in die Freiheit und wieder gesund zu werden wird leichter, wenn du Unterstützung hast und weisst, dass du nicht allein bist. Deine Behandlung sollte vielleicht Einzel-, Familien- und Gruppentherapie, eine Selbsthilfegruppe, ärztliche sowie Ernährungsberatung und in einigen Fällen die Einnahme von Medikamenten beinhalten. Manchmal ist auch eine Einweisung in ein Krankenhaus notwendig.
Einzeltherapie
In der Einzeltherapie wird es dir möglich sein, eine direkte Beziehung zu deinem Therapeuten zu entwickeln. Sobald du begonnen hast diesem zu vertrauen, wird es dir leichter fallen, damit zu beginnen, deine Gefühle, welche du so lange in dir verborgen hast, heraus zu lassen. Du wirst anfangen können dich darauf zu konzentrieren, warum du die Essstörung hast, und was du brauchst, um sie zu stoppen. Du wirst langsam verstehen warum und wie die Essstörung dein einziges Mittel wurde, mit Problemen fertig zu werden, und du wirst neue und gesündere Wege zur Bewältigung lernen. Die Häufigkeit deiner Gespräche wird wahrscheinlich von der Schwere der Essstörung abhängen. Manche Menschen sind täglich in Therapie, andere einmal wöchentlich. Die Menge der Besuche richtet sich sicherlich nach dir und deinem Therapeuten.
Gruppentherapie
Gruppentherapie kann sehr vorteilhaft für jemanden sein, der versucht, sich von der Essstörung zu erholen. Zum ersten Mal bist du von Menschen umgeben, die genau wissen und verstehen, wie du dich fühlst. Für so lange hast du vielleicht gedacht, du wärst der einzige mit diesen Problemen, und nun weisst du, du bist nicht allein. Die Gruppen treffen sich normalerweise einmal pro Woche und diskutieren alles; von dem Essverhalten an sich, über Wege wie man dieses Verhalten ändern kann, bis zu den tieferliegenden Ursachen, welche die Essstörung hervorgerufen haben. Gruppenmitglieder unterstützen und helfen sich gegenseitig Essmuster zu verändern und gesündere Wege zur Problemlösung zu finden.
Familientherapie
Familientherapie bezieht die Menschen ein, welche zusammen oder sehr nah mit der Person mit der Essstörunge leben. Dies kann die Eltern, Geschwister, Lebenspartner und sogar die Grosseltern einschliessen. Für gewöhnlich zeigt eine Essstörung an, dass es Probleme innerhalb der Familie gibt. Einige Probleme könnten sein: häufiger Streit, Drogen- oder Alkoholmissbrauch, körperlicher oder sexueller Missbrauch, Mangel an Kommunikation, oder Schwierigkeiten, Gefühle auszudrücken. Alle diese Dinge können in der Familientherapie diskutiert werden. Um die Probleme zu lösen, müssen die Familienmitglieder einverstanden sein, an der Therapie teilzunehmen, und den Willen haben, Veränderungen in ihrem eigenen Verhalten vorzunehmen.
Literatur:
- Mara Selvini Palazzoli, Stefano Cirillo, Matteo Selvini
Anorexie und Bulimie. Neue familientherapeutische Perspektiven.
Gebundene Ausgabe - 251 Seiten (1999)
Klett-Cotta, Stgt.; ISBN: 3608919813
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Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen werden gewöhnlicherweise nicht von jemandem geführt, der beruflich damit zu tun hat, sondern meist sind die Leiter Menschen, welche eigene Erfahrungen mit Essstörungen gemacht haben. Die Gruppen können sich überall und jederzeit treffen, von täglich bis einmal monatlich. Selbsthilfegruppen verdeutlichen, dass du nicht allein bist und dass eine Heilung möglich ist. Die Mitglieder helfen und unterstützen sich auch in schwierigen Zeiten. Dennoch, jede Selbsthilfegruppe unterscheidet sich von der anderen. In manchen steht es frei über Dinge zu reden, die einen gerade bewegen, in anderen wird bei Beginn jedes Treffens ein Thema gewählt, welches dann besprochen wird.
Ergänzenden Hinweise:
- Adressen von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen
- Selbsthilfegruppen bei Essstörungen
Medizinische Behandlung
Es ist wichtig, dass deine Gesundheit von einem Arzt überwacht wird, welcher über deine Essstörung Bescheid weiss. Es gibt viele körperliche Komplikationen, die als Folge der Essstörung auftreten können. Wenn man diese unbehandelt lässt können sie zu ernsten gesundheitlichen Problemen oder sogar zum Tod führen. Es ist ratsam, gegenüber deinem Arzt sehr offen und ehrlich in Bezug auf deine Essgewohnheiten und Symptome zu sein. Nur so kannst du die bestmögliche Behandlung bekommen. Es ist weiterhin wichtig, dass dein Arzt vertraut ist mit Essstörungen und sie richtig behandelt. Wenn du bulimisch bist, wäre ein Zahnarztbesuch angebracht. Häufiges Erbrechen kann als Folge von Zahnschmelzabbau durch die Magensäure zu Zahnverfall führen.
Literatur:
- Petra Scheutzel, Rolf Meermann
Anorexie und Bulimie aus zahnärztlicher Sicht
Taschenbuch (1994)
Urban u. Schw., Mchn.; ISBN: 3541174013
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Ernährungsberatung
Ein Teil deiner Heilung sollte eine Ernährungsberatung einschliessen. Viele Menschen mit Essstörungen wissen nicht, was "normales Essen" wirklich ist. Ein qualifizierter Berater kann dir helfen ein gesundes Essmuster zu entwickeln.
Medikamente
In einigen Fällen waren Medikamente nützlich beim Behandeln von Essstörungen. Antidepressiva wie Prozac, Paxil und Zoloft wurden genutzt, um bei Anzeichen von Depressionen zu helfen. Zudem können sie manchmal eine Person dabei unterstützen weniger Ess-Brechanfälle zu haben. Medikamente sollten dennoch nicht als einziger Weg angesehen werden. Sie sollten mit allen Bereichen einer Behandlung kombiniert werden.
Stationäre Aufnahme
Wenn dein Gewicht sehr gering ist, oder wenn du mehrere Male am Tag Ess-Brechanfälle hast, könnte eine Einweisung in ein Krankenhaus notwendig sein. Manchmal braucht jemand mehr Unterstützung, als in ambulanter Therapie bereit gestellt werden kann. Das Krankenhaus bietet dir eine sichere Umgebung und hilft dir dein Essverhalten zu kontrollieren. Wenn ein Aufenthalt nötig ist, sollte dies in einer Einrichtung passieren, welche sich mit der Behandlung von Essstörungen auskennt. Psychatrische Anstalten sind für gewöhnlich nicht genug ausgestattet, um Essprobleme zu behandeln, und der Patient kann sich manchmal schlechter fühlen, während er in solch einer Umgebung ist. In einigen Krankenhäusern findet man Abteilungen, die sich auf die Behandlung von Essstörungen spezialisiert haben. Diese sollten sowohl psychologische, als auch physiologische Fürsorge bieten.






